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Einen bundesweiten Standard schaffen

Interview mit Peter Biegel, Geschäftsführer der FISAT ZertOrga GmbH

Sie wollen mit der FISAT ZertOrga GmbH im Bereich PSAgA eine Prozesszertifizierung etablieren. Warum ist die aus Ihrer Sicht notwendig?

Wir wollen die Prozesszertifizierung auf den Markt bringen, weil wir der Meinung sind, dass dieser Bereich momentan nicht ausreichend geregelt ist. Die gängigen Regelwerke, die DGUV Regeln 112-198, 112-199 sowie der DGUV Grundsatz 312-001, beschäftigen sich zwar mit der Thematik PSAgA, sie geben aber nicht vor, wie Unterweisungen final auszusehen haben. Heißt: Wenn in fünf Ausbildungsunternehmen fünf Unterweisungen stattfinden, können dort überall unterschiedliche Szenarien ablaufen. Die Folge sind unterschiedlich gut geschulte Anwender. Mit der Prozesszertifizierung geben wir den Ausbildungsbetrieben und den Unterweisenden die Möglichkeit, eine einheitliche Qualität herzustellen, die im Optimalfall zu einem bundesweiten Standard führt.

Was befähigt Sie dazu, auch im Bereich PSAgA zertifizieren zu wollen? Ihr Kerngeschäft ist ja eigentlich die Seilzugangstechnik.

Die Anwendung von PSAgA ist fast immer der Zugang zu unserem Zugangsverfahren. Und dabei soll den Menschen ja auch nichts passieren. Dadurch sind wir fast schon gezwungen, uns mit der Thematik zu beschäftigen. Die aller-meisten SZP-Nutzer sind selbst Anwender von PSAgA. Dazu kommt die jahre- lange Zusammenarbeit mit verschiedenen Berufsgenossenschaften, mit denen wir uns kontinuierlich zur Sicherheit an hochgelegenen Arbeitsplätzen abstimmen. Und unser i-Tüpfelchen des Erfahrungsschatzes war sicher die Mitarbeit am europäischen Forschungsprojekt Leonardo, bei dem es um die gewerbliche Zertifizierung für Seilzugangstechnik ging. Auch hier spielte das Thema PSAgA eine wichtige Rolle. Die Summe dieser Kenntnisse bildet für uns eine fundierte Grundlage, die Prozesszertifizierung anbieten zu können.

Die Prozesszertifizierung soll im Optimalfall zu einer Standardisierung führen, die eine hohe Qualität sicherstellt. Mit welchen Mitteln wollen Sie das erreichen?

Wir haben dazu eine Online-Plattform generiert, die dem Nutzer die Möglichkeit bietet, Unterweisungen zu planen, standardisierte Rahmenlehrpläne zu erstellen und alles sauber zu dokumentieren. Hat ein Anwender erfolgreich an einer Unterweisung teilgenommen? Wie lange hat sein Zertifikat Gültigkeit? Was waren die konkreten Ausbildungsinhalte? Für Auftraggeber sind das entscheidende Fragen, auf die es durch das Online-Tool jederzeit Antworten gibt. Die Ausbildungsbetriebe hinterlegen die Infos, der Auftraggeber kann abfragen, ob Zertifikate Gültigkeit besitzen und welche Unterweisungsinhalte vermittelt wurden. Dadurch wird dem Auftraggeber die Möglichkeit gegeben, verlässlich einen gut ausgebildeten Anwender zu engagieren. Wir haben also ein transparentes System geschaffen, das allen Beteiligten Sicherheit gibt: dem Anwender vor allem im Sinne des Arbeitsschutzes, dem Auftraggeber auch im Sinne seiner Rechtssicherheit.

Für die standardisierten Rahmenlehrpläne, die Sie angesprochen haben – bieten Sie da konkrete Hilfe bei der inhaltlichen Ausgestaltung?

Ja. Unterweisungsinhalte werden detailliert beschrieben und mit konkreten Handlungsanweisungen für den Ausbilder hinterlegt. Gleichzeitig werden Lernziele für den Anwender definiert und an Mindestausbildungszeiten gekoppelt. Im Rahmen der Lernerfolgskontrolle hat der Ausbilder die Möglichkeit, absolvierte Unterweisungsinhalte abzuhaken. So wird eine lückenlose Nachweisführung ermöglicht.

Wie sieht es denn mit dem Zeitaufwand bei der Nutzung des Online-Tools aus?

Der wird definitiv geringer sein als zuvor. Eines der größten Hilfsmittel, die das Online-Tool bringt, ist die intuitive Zusammenstellung und Planung der auf den Kunden zugeschnittenen Unterweisungsinhalte. Hinzu kommt der automatisierte Dokumentendruck. Wie oft kommt es vor, dass Unterweisende Teilneh-mern nicht direkt ein Zertifikat in die Hand geben können? Sie müssen erst ins Büro, alles händisch und individuell dokumentieren und die Ausbildungsinhalte müssen für jeden Teilnehmer einzeln auf die Zertifikate übertragen werden. Mit dem Tool ist dieser ganze Prozess automatisiert. Heißt: Ich habe nach Abschluss einer Ausbildung die Möglichkeit, die Zertifikate zu generieren, sofort vor Ort auszudrucken, zu unterschreiben und sie dem Anwender direkt mitzugeben. Ebenso ist das automatische Generieren und Drucken von Labels für den Sicherheitspass mit integriert.

Welche Kosten kommen auf Unternehmen zu, die an der Prozesszertifizierung teilnehmen möchten?

Die Kosten sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau definiert. Was aber sicher ist: Wir werden eine für alle leistbare Grenze ziehen, um auch kleineren Unternehmen einen erschwinglichen Preis bieten zu können. Ziel ist es, möglichst vielen Unternehmen den Zugang zur Zertifizierung zu ermöglichen, um den angestrebten Qualitätsstandard bundesweit zu forcieren.

Wann geht ihr mit ihrer Prozesszertifizierung für Unterweisungen PSAgA offiziell an den Start? Gibt es schon Anfragen von Unternehmen?

Der Grund, warum wir uns dieser Thematik überhaupt angenommen haben, waren die vielen Anfragen. Es gibt also einen Bedarf auf dem Markt. Und dieser Bedarf war für uns das Signal, da was machen zu müssen. Wir sind aktuell noch in der Erprobungsphase, werden das Online-Tool auch noch mal bei der A+A 2019 in Düsseldorf der Öffentlichkeit präsentieren. Zum 01.01.2020 können wir dann mit den eigentlichen Prozesszertifizierungen beginnen.

Das Interview mit Peter Biegel führte
Kai-Felix Jochens im September 2019.

Peter Biegel, Geschäftsführer der FISAT ZertOrga GmbH, auf dem FISAT-Technikseminar 2019

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Kontakt und Information

In der aktuellen Zertifizierungsordnung – Prozesszertifizierung für die Unterweisung PSAgA, Version 20.0 dt., können Sie sich hier über alle Aspekte informieren.

Unser Angebot befindet sich in der Startphase des Praxiseinsatzes. Demnächst informieren wir Sie an dieser Stelle detailliert zu aktuellen Themen rund um unsere Prozesszertifizierung.

Gerne können Sie uns für weiterführende Informationen via E-Mail unter psaga@fisat.de kontaktieren.